Was heißt es, eine initiierte Schamanin zu sein, und wie war Deine Initiation?

Schamanin zu sein ist meine Bestimmung, jedoch habe nicht ich das gewählt – ich wusste vermutlich selbst nicht einmal wie ich eine Schamanin hätte sein können. Schamane zu sein sehe ich nicht als einen Beruf oder als schlichte Verwirklichung einer Sehnsucht, sondern als etwas, das in die Sterne geschrieben wurde und das als potenziertes Atom herunterkommt, und das sich in den Tiefen unseres Seins verwurzelt. Wie ein Laserstrahl, der unsere DNA öffnet und sie im Inneren ausdehnt, und in genau diesem Moment geschieht die Initiation – ein Prozess, der ewig andauert. Meine Initiation geschah als ich geboren wurde, denn geboren wurde ich als ein schwaches und asthmatisches Kind, ich war ein sehr einsames Wesen. Erst viel später inkarnierte ich, musste mich selbst rückverwurzeln in der Wirklichkeit, und verstehen, was Leben überhaupt bedeutet, verstehen, dass ich einen Körper habe und dass ich überhaupt existiere. Ich heiratete, zog Kinder groß und öffnete mich währenddessen, um die Lehren aufnehmen zu können, die das Leben mir bot. Dann studierte ich Psychologie an der Universität und tauchte gleichzeitig ein in die schamanischen Erfahrungen in Peru, in den Andinischen Ländern, in den heiligen Tälern der Inkas.

Wer studiert Schamanismus?

Jeder der sich kennenlernen will und das Risiko eingeht, seine eigene Geschichte zu signieren. Das sind die Menschen, die an meine Tür klopfen und um Einlass bitten, sind ihrer normalen Wünsche entledigt. Sie kommen durchdrungen von der kosmischen Natur.

Du bist auch eine Priesterin, nicht wahr?

Ja, ich bin eine devote Priesterin der Göttlichen Mutter. Ich gehöre keiner Kirche an, aber ich empfinde mich als religiös im eigentlichen (portugiesischen) Wortsinn, religião = re-ligare (sich zurückverbinden), das bedeutet, sich wieder mit sich selbst zu verbinden, mit seinem wahren Verbindungsfeld, aus dem die fortwährende Quelle der REALEN Wahrheit fließt.

XamAM, besitzt Du einen akademischen Abschluss?

Ja, ich bin Psychologin mit Abschluss an der Föderalen Universität von Bahia (UFBa) von 1989. Aber ich habe mit meiner Arbeit schon weit vor meinem Abschluss begonnen.

Hast Du noch andere Abschlüsse?

Ja, über viele Jahre studierte ich Psychoanalyse und lernte und arbeitete 7 Jahre auch als Naturheiltherapeutin, habe Fortbildungen in Psychodrama gemacht und erst kürzlich einen initiations-und Vermittlungsseminar in Hypnose nach Erickson.

Was ist der Unterschied zwischen Schamanin und XamAM?

Um eine XamAM sein zu können, musste ich zunächst eine Schamanin werden. XamAM wurde zu einem Symbol für mich, ein initiatischer Name. Etwas, das mir innerhalb eines tiefgehenden Heilungsrituals gewährt wurde. Wahrscheinlich ist es eine Vereinigung meiner Bestimmung, Schamanin zu sein, mit den Initialien meines Geburtsnamens, Alba Maria.

Wie viele Deiner Lebensjahre hast Du bislang dem Schamanismus gewidmet?

Chronologisch gesehen über dreißig Jahre, mythologisch gesehen eine Ewigkeit.

Von welcher Herkunftslinie stammst Du ab? Wer sind Deine Meister?

Meine Abstammungslinie verliert sich in Raum und Zeit. Irdisch betrachtet, entstamme ich den Caboclos, den Índios und den Weißen. Ich bin eine Mestizin, und trage in meinem Blut Atome und Energien die mich dazu bringen, Felder und Zeiten zu durchschreiten, die mich prägen und mich zu Verbindungen und Wirklichkeiten hinführen, die (zumindest für mich) unvorstellbar sind. Energetisch gesehen bin ich hinabgestiegen von den Sternen und Galaxien, die modelliert wurden durch die Energie der Göttlichen Mutter, die meine Herrin und meine größte Meisterin ist. Hier auf der Erde wird sie repräsentiert durch Mutter Natur.

Warum ist Deine Abstammungslinie der Göttlichen Mutter heute besonders wichtig für unsere Erde? Können wir sie auch in vergangenen Zeiten und Kulturen finden?

Mein Gefühl ist, dass unser Planet Erde heute von uns besondere Aufmerksamkeit benötigt. Bei Entscheidungen muss unsere Wahl klar sein, und sie muss in Übereinstimmung sein mit unserer Bestimmung und mit den Gaben, die wir ins Leben mitbringen. Mit der Abstammungslinie der Göttlichen Mutter, in der ich arbeite, lernen wir unsere Intuition weiterzuentwickeln, wir lernen uns selbst in der Tiefe weiter kennen, vor allem unsere Schatten und unser Licht – und wenn wir diesen Kräften in uns wirklich begegnet sind, dann können wir gänzlich unserer Bestimmung folgen. Ohne Ängste, ohne Zweifel. Unsere Arbeit erstreckt sich auf Europa, insbesondere Deutschland, England und Italien, sowie in Südamerika auf Brasilien und Peru. Aus meiner Sicht wurde dieser Dienst bereits in vielen Kulturen angeboten, wie etwa bei den Kelten in Europa, den Moches in Peru, den Sufis sowie den historischen Ländern, in denen der Schamanismus ursprünglich etabliert war.

Was ist der oder was sind die Unterschiede zwischen dem Schamanismus, den Du lebst, dem der Göttlichen Mutter, und anderen?

Ich weiß nicht, was andere leben, ich weiß, was ich lebe. Wenn ich über die Göttliche Mutter spreche, dann spreche ich über die Energien des Mitgefühls, der Aufnahme, der Ehrlichkeit, der Gestaltung und der Befruchtung. Ich spreche über die bewusste Wahrnehmung dessen, wer wir auf diesem Planeten sind und was wir hier machen. Es bedeutet, den Mut zu besitzen, in sich selbst einzutauchen und nach sich selbst zu suchen. Die verdammten eigenen Spiele zu erkennen und sie in gesegnete Spiele zu verwandeln.

Wie arbeitest Du mit der Heilung?

Um das zu beantworten, muss ich erst einmal definieren, was für mich Heilung bedeutet. Heilung ist ein Prozess, in dem jemand, der geheilt werden möchte, zunächst wissen muss, ob er wirklich geheilt werden will; will er das wirklich, geht es darum, mit seinem ganzen Sein dieses Symptom zu überwinden, das ihn verfolgt. Von hier aus fühle und sehe ich, dass der Weg sich stabilisiert innerhalb eines Prozesses von Verstehen und Vertrauen, bei dem die erste Fragestellung ist, den Sinn des Symptomes in seinen verschiedenen Dimensionen wahrzunehmen: physisch, mental, sozial, spirituell... Stabilisiert im Feld des Vertrauens und der Ehrlichkeit können wir dann eindringen in die nahezu unergründlichen, geheimnisvollen Felder eines Jeden. Während eines Heilungsprozesses ermögliche ich es, mit Hilfe der durch mich hergestellten Dynamik, dass die Person ihre eigenen inneren Heilungswerkzeuge zu Gesicht bekommt, und auf diese Weise ihren eigenen Heilungsprozess unterstützen kann. Ich begreife Heilung nicht als ein Wunder wie im allgemeinen Sprachgebrauch, sondern als ein Wunder, das verwirklicht wird durch das tiefe Verstehen des Symptoms, durch das Feld der Öffnung, das sich auftut im Innern eines Jeden, zur Wiedererlangung von Vertrauen und einer gesteigerten Selbstwertschätzung. Das Symptom ist die Matrix, der einen Menschen darin unterstützt, ein/e Heiler/in zu sein.

Mit welchen Medizinen arbeitest Du?

Mit vielen... Ich arbeite mit der Medizin der Reinigungshütte, der Visionssuche, der Stille und Meditation, mit Kraftpflanzen und Medizinpflanzen, mit dem Dialog durch Augen und Stimme, mit der Kunst, mit dem Leben und dem Tod... eine Glückseligkeit, ein wahrhaftiger und unglaublicher Segen.

Leitest Du Rituale?

Ja, unzählige Rituale, in denen mich die Göttliche Mutter führt und anleitet.

Was bedeutet das, eine Zeremonie bei Dir mitzumachen?

Es ist eine Übung in Hingabe und Liebe. Und es ist eine Möglichkeit der Begegnung mit dem eigenen göttlichen Innern und seinen unzähligen Manifestationen.

Wo und wie lebst Du? Wie sieht Dein Leben in der Gemeinschaft aus?

Ich lebe in der Gemeinschaft von Terra Mirim. Hier lebe ich in Gemeinschaft mit der Natur, unterrichte und lerne gleichzeitig von allen, mit denen ich dieses Land teile, und mit vielen anderen, die kommen, um auf dem Weg des Schamanismus initiiert zu werden, und um in sich selbst einzutauchen. Mein Augenmerk liegt darauf, meinen Alltag bewusst und harmonisch zu leben.

Wie führst Du Deinen Stamm?

In meiner Art zu führen versuche ich, Jede und Jeden zu inspirieren, dass wir unsere sämtlichen Talente in die Welt bringen, um durch diesen riesigen Prozess kosmischer Solidarität unseren Dienst auf diesem Planeten zu verwirklichen.

Und außerhalb von Brasilien? Was machst Du, wenn Du auf Reisen bist?

Ich widme mich der Arbeit mit Gruppen und Einzelnen durch das Teilen von Lehren. Dabei lerne ich, mein Herz noch weiter zu öffnen und noch höher fliegen zu können.

Welche Ängste müssen wir überwinden, bevor wir in den schamanischen Weg eintauchen können?

Da sind viele Ängste. Es hängt ab von der Lebensreise eines jeden Menschen, aber zwei Ängste sind immer gegenwärtig: verrückt zu werden und zu sterben. Ich sage immer, dass wir bereits verrückt sind durch die Entscheidung, uns kennenlernen zu wollen inmitten einer so chaotischen Welt, und auch, dass wir uns vor dem physischen Tod gar nicht zu fürchten brauchen, weil wir es erleben werden, ob wir es mögen oder nicht.

Kannst Du noch mehr erzählen über die XamAM-Schule?

Die Schule entstand im Jahre 2015, als das erste Modul “Medizin der vier Elemente” stattfand, und im Folgejahr das zweite Modul “Unsere inneren Tiere”, und in 2017 das dritte und letzte Modul “Die Heiligen Medizinen”. Sie entstand aus einem inneren Traum (von dem ich selbst nicht wusste, dass ich ihn hatte) und aus unzähligen Bitten von Menschen, die mit mir arbeiten, Heiler/innen, Studenten, Anhänger/innen, Freunde/innen und Menschen, die dieses Thema einfach interessiert. Die praktisch erlebten Studien laufen jedes Jahr während eines Eintauchens über vierzig Tage ab, in einem Zyklus von drei Jahren. Auf diese Weise widmet ein Mensch 120 Tagen seines Lebens, auf drei Jahre verteilt, dem Kennenlernen seines eigenen Lebens.

Was ist das Ziel oder was sind die Ziele der XamAM-Schule?

Erreichen, dass jeder Mensch sich in der Tiefe kennenlernt, auf diese Weise seinen inneren Talenten begegnet und sich definiert in Bezug zu dem, was er hier auf der Erde verwirklichen soll; Die innere Wahrheit eines jeden Menschen wiederherstellen; Veränderung von Verhaltensmustern, welche die persönliche und kosmische Verwirklichung behindern; Exzellente Heiler/innen und Schaman/inn/en ausbilden, damit sie ihre Bestimmung aufnehmen und erfüllen, und auf diese Weise gesunde Samen auf dem Planeten verbreiten;

Vergibt die XamAM-Schule ein Zertifikat?

Im Schamanismus ist es die Exzellenz Deiner Arbeit, die das Zertifikat verleiht. Schamane zu sein ist ein innerer Ruf, eine Bestimmung, gegeben von den Sternen. Die Schule existiert deshalb, weil die Mehrheit der Menschheit die Fähigkeit verloren hat, auf ihre innere Stimme zu hören. Indem wir unsere Sinne schärfen, können wir auch unsere kosmische Mission erreichen. Es gibt kein Zertifikat, das Dir garantiert, ein Schamane zu sein. Es ist notwendig zu verstehen, dass die XamAM-Schule eine besondere Schule ist, sie folgt nicht den Regeln irgendeiner formalen Institution, ist nicht gefangen in ihren eigenen, menschengemachten Gesetzen. Es ist eine Schule, in der die kosmische Intelligenz die Schulmeisterin ist, die Göttliche Mutter und der Göttliche Vater in ihrem Potential, auf die Menschen angepasst. Aber, wenn ich eines Tages das Gefühl habe, dass ein sinnloses Papier den Weg meiner Student/inn/en erleichtern würde, werde ich eins machen.